Eine heiße Kampfnacht lässt das Autohaus beben
Die nüchternen Fakten: der BSK Seelze setzte sich am 9. Januar 2010 gegen den bis dahin ungeschlagenen Spitzenreiter der 2. Box-Bundesliga, den Nordhäuser SV, mit 13:11 durch. Diese dürren Worte können allerdings nicht annähernd das ausdrücken, was den 1.000 Zuschauern im Autohaus KAHLE an der B6 geboten wurde: hochklassige, teilweise verbissen geführte Kämpfe, an Dramatik, explosiver und emotionaler Stimmung auf Seiten der Zuschauer und Boxer kaum zu überbieten.
Aber der Reihe nach:
Trainer Arthur Mattheis wusste, was auf ihn zukam. Er musste den Punktegaranten Eugen Schellenberg im Halbschwergewicht aufgrund einer Verletzung gegen den Mittelgewichtler Halis Baran ersetzen. Im Schwergewicht wartete auf Stefan Sittner der amtierende Deutsche Meister Stefan Köber, der sich zudem als Sportsoldat vollständig auf seine Boxkarriere konzentrieren kann. Mattheis‘ Hoffnung war, dass seine Mannschaft die leichten Gewichtsklassen für sich entscheiden kann, um im Welter- oder Mittelgewicht noch einen Punkt zum Sieg zu erzielen. Im Halbschwer- und Schwergewicht zu punkten, erschien zu diesem Zeitpunkt eine eher übertriebene Hoffnung.
Zunächst schienen sich Seelzer an das Drehbuch ihres Trainers zu halten. Steven Maleika dominierte seinen erfahrenen Gegner genauso wie der begeisternde Suher Alshamari, der den Kampf im Federgewicht nach Abbruch gewann. Zwar musste sich Nver Martirosjan im Leichtgewicht geschlagen geben, aber der Halbweltergewichtler Aytekin Yöreci stellte den alten Abstand wieder her, so dass der BSK Seelze zur Pause mit 11:9 führte. Mit Alfonso Fuscos Sieg im Weltergewicht hatten die heimischen Kämpfer zumindest ein Unentschieden sicher. Dann folgte mit den höheren Gewichtsklassen der dramatische Höhepunkt, der gleichzeitig ein sportlicher Tiefpunkt werden sollte. Alexander Raynesh und Halis Baran konnten ihre Kämpfe gegen hochklassige Gegner zumindest offen gestalten, sind aber – ein Novum, seit Seelze im Autohaus KAHLE kämpft – beide disqualifiziert worden. Ein Tiefschlag zuviel, einmal den Gegner zu oft herunter gedrückt und die Träume vom vorzeitigen Sieg waren perdu. Alle Erwartungen hingen nun im Schwergewicht an Stefan Sittner. Der Zwei-Meter-Mann erfüllte sie, und wie. Konnte der Nordhäusener Köber die erste Runde noch knapp für sich entscheiden, ging Sittner in den folgenden Minuten in die Offensive. Er ließ sich nicht durch die Schnelligkeit und Schlagstärke seines Gegners von seiner Marschroute abbringen, sondern setzte Treffer auf Treffer. Immer wieder krachten die blitzschnellen Kombinationen durch die Deckung des Gegners, der seine anfängliche Arroganz schnell verlieren sollte. Die letzten Sekunden des Kampfes und der Schlussgong gingen im tosenden Applaus des Publikums unter – die heißeste Nacht im Januar hatte einen glücklichen, aber verdienten Sieger gefunden.


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